Freitag, 15. März 2019

Der Celtische Härtetest


Für viele OCRler beginnt die Saison im April mit dem Spartan-Sprint in München. Alles, was bis dahin geschieht, zählt eigentlich nicht so richtig. Das ist so eine gedankliche OCR-Startlinie. Man sieht sich als Sportler draußen aktiv bei Sonnenschein und mit guter Laune und die Welt ist in Ordnung. Dieser Gedanke gefällt mir auch, aber es gibt auch noch eine andere Seite unseres Sports - und die beginnt im November. Wenn das erste Mal die Temperaturen sinken, wenn der Wind auffrischt und es dabei nieselt. Dann, ja dann, beginnt die Zeit der Winter-OCR-Läufe.

Ich hatte mir über den Jahreswechsel 2018/2019 fünf davon in den Kalender eingetragen. Neben alten Bekannten, wie Getting Tough The Race und Legend of Cross, stand diesen Winter auch wieder der Celtic Warrior auf dem Programm, ein Lauf, den ich von letztem Jahr in sehr guter Erinnerung hatte. Ich weiß noch, dass es damals ziemlich kalt war und dass alle Athleten gut gefordert waren, um die -5 bis 0 Grad Lufttemperatur zu verkraften.

Aber dieses Jahr sahen die Vorhersagen ganz anders aus. Der Frühling ließ sich das erste Mal blicken und die Temperaturen stiegen in den 2 Wochen vor dem Lauf auf fast 20 Grad. Und es gab Sonne. Vorher. Das veranlasste die Veranstalter offensichtlich, die Strecke diesmal ein wenig umzugestalten. Und so wurden viel mehr Wasserhindernisse vorgesehen. Die Aufbau-Videos, die man im Internet sehen konnte, zeigten freudige Mitglieder des Teams "Celtic Warrior", wie sie die Badepartien und die Schlammpackungen vorbereiteten und schon probeliefen.

Ich dachte mir "Ohje, da wird der Celtic ein Frühlingsspaziergang". Naja, dann war der Winter eben ein bisschen früher vorbei. Da konnte ich auch mit leben. Doch dann kam alles ganz anders. Die Vorhersage für die Region Zillingtal, die ich schon eine Weile lang beobachtet hatte, wollte für den Raceday einfach keine schönen trockenen und sonnigen Verhältnisse mehr produzieren. Stattdessen 5 Grad Celsius, Regen und Wind. Regen allein ist nicht schlimm. Man nimmt ne Mütze mit und dann merkt man ihn kaum, wenn man läuft. Wind hingegen ist da schon etwas unangenehmer. Der raubt Kraft, wenn er aus der falschen Richtung kommt, und in Kombination mit Regen kommt eine nicht zu verachtende Kältekomponente hinzu. Je näher der Tag des Laufes rückte, um so garstiger wurde das Wetter. Deshalb machte ich mir mittlerweile viele Gedanken über meine Klamotten-Strategie - mehr als über die Hindernisse, die einen fordern, die man aber auch durch Absolvieren einer Strafe "schaffen" kann, wenn man sie nicht schafft, zumindest die technischen.

Eine weitere Tatsache, die mir irgendwann bewußt wurde, war, dass durch den Regen der Schlammanteil sicherlich steigen würde. Im Chat im Verein diskutierten wir immer wieder das Wetter und die potentiellen Verhältnisse und die Meinung reichten von "Ohje, worauf habe ich mich da eingelassen?" üder "Das könnte problematisch werden." bis hin zu "Jetzt alle mal ruhig bleiben. Das wird schon. Lasst uns Spaß haben." Um es kurz zu machen: Was passierte, hatte keiner auf dem Schirm. Der Lauf wurde - im besten Sinne - gnadenlos.

Und so rückte der 1. März näher - Tag der Anreise. Ich fuhr mit Steven und Alex aus dem Verein nach Zillingtal. Wir kamen im selben Gasthof unter, in dem wir auch schon letztes Jahr genächtigt hatten. Alles perfekt. Am nächsten Morgen ging es recht zeitig los, da wir noch kurz zum See wollten, um ein paar Klamotten im warmen Wechselzelt abzulegen. Jetzt war auch Sven - unser Vereinshindernisguru - mit von der Partie, denn beide, Sven und Steven, hatten sich auch für die 30km Distanz eingetragen. Wir kamen pünktlich am Event-Gelände an (Die Startunterlagen hatten wir bereits am Vortag abgeholt), zogen uns um und "genossen" die Zeit bis zum Start.

Naja, "genießen" war relativ, denn alle vorhergesagten unangenehmen Wetterbedingungen waren eingetroffen. Es nieselte immer mal wieder, die Luft war kühl und feucht und ab und zu kam eine unangenehme Windbö und ließ uns schlottern. Beeits zweieinhalb Stunden vor unserem Start, der für 10 Uhr angesetzt war, waren die Läufer auf der Ultra-Distanz (50km) gestartet. Da saßen wir noch beim Frühstück, schauten aus dem Fenster und es regnete Bindfäden. Maximale Demotivation. Die Ultras sind schon echt harte Kerle und taffe Mädels. Aus unserem Verein waren Nici (einzige Läuferin, die den Ultra im Vorjahr gefinisht hatte) und Christian angetreten.

Dann schlug es 10. Das nicht ganz vollständig versammelte 30km-Starterfeld (89 von 104 gemeldeten) wurde in Gruppen zu ca. 20 bis 25 eingeteilt und auf die Strecke geschickt. Ich war zusammen mit Steven und Sven in der ersten Startwelle. Das Startkommando fiel, die beiden gaben Gas und waren weg. Da ich wußte, was auf mich zukam, begann ich das Rennen wieder im für mich am besten funktionierenden Energiesparmodus, um bis zum Ende durchzuhalten. Das war auch gut so, denn das Ende meines Rennens sollte erst knapp 8 Stunden später kommen.

Zunächst mussten wir die Kirchbergrunde absolvieren, die dieses Jahr umgedreht worden war. Ein schöner Parcour an einem Hügel, den es mehrmals rauf und runter ging und der mit leicht zu überwindenden Hindernissen aus Euro-Paletten, ein paar Baumklettereien und Crawls garniert war. Dann ging es zurück in den Start-und-Ziel-Bereich. Hier gab es was zum Hangeln (war das letztes Jahr auch schon so lang?), viele große Container mit vielen Reifen und die berüchtigten Baugerüste - allerdings nicht 3 wie letztes Jahr, sondern 5. Das war alles schon nicht mehr so ganz witzig, denn der Boden war aufgrund des Regens maximal aufgeweicht und da schon die Ultras und ein paar 30km-Läufer diese Hindernisse überwunden hatten, waren diese bereits mit Schlamm verziert. Natürlich fehlten auch die riesigen 3-Meter-Walls und das eine oder andere Holzgerüst (zumeist irgendwie inverted) nicht. Und auch diese hatten schon ganz gut an Schlamm zugelegt. Es sollte sich jedoch herausstellen, dass das alles Pille-Palle war.

Nach dem Start-Ziel-Bereich ging es auf die Strecke, zunächst ein kleines Stückchen Teer aus dem Ort hinaus, dann hoch aufs Feld, dem "Plateau der Winde", Richtung Steinbrunner See. Das Wetter war gerade ganz gut (kein nennenswerter Wind und der Regen rieselte nur leicht). Ich fühlte mich gut. Verhältnisse, mit denen ich klar kam. Ich laufe oft bei schlechtem Wetter und hab kein Problem damit. Die Feldrunde war diesmal etwas länger. Dann ging es runter Richtung Zillingbach zum Keltenwall.

Beim Keltenwall kam die erste richtige Prüfung auf uns zu. Der Wall selbst ist eine kleine Hinderniskombination bestehend aus einem abgeschrägten Holzrahmen mit Kettennetz, an dem man hochklettern und auf der anderen Seite, die nun inverted ist, wieder runterkommen muss. Danach kommt ein schräges Holzgerüst bestehen aus Baumstämmen, hinter dem man auf eine Platform runter springt. Bevor man diese Hindernisse erreicht, geht es allerdings erstmal auf alle Viere. Eine endlose Kriechstrecke durch feinsten Schlamm. Dieser wird durch einen kurzen Badegang unterbrochen um sich anschließend ewig fortzusetzen. Hat man die Kriechstrecke hinter sich, ist man kaputt. Dann über besagten Wall und unmittelbar dahinter wieder niedrigste Gangart - diesmal unter eine Plane in den Schlammtunnel, der mit Wasser gefüllt ist. Raus aus dem Tunnel, auf einer rutschigen Plane einen Hügel erkriechen (zum Glück gabs ein Seil), oben Über eine total verschlammte Wall, den Hügel wieder runter und wieder in einen Schlammtunnel, der diesmal mit Bauzäunen abgedeckt war. Ich bin mir nicht ganz sicher ob das dann alles war. Jedenfalls "endet" das ganze mit einem erneuten Badegang, der von einer kurzen Betonröhre beendet wird, die - wie soll es anders sein - durchkrochen werden muss.

Super Samstag :)
Werden die Klamotten wenigstens wieder "sauber"....

Ich hatte, genau wie letztes Jahr, kurze Hosen an. Kurz bevor ich in die Betonröhre gekrabbelt bin, habe ich mir meine Knie angesehen und festgestellt, dass eine breite Blutspur bis zum Sockensaum reichte. Ich hab das schnell mit ein bisschen schmutzigen Wasser behandelt und mich dann in das Rohr begeben. Mein Gott, war ich froh, dass ich im Vorfeld Bear Crawls trainiert hatte :)

Jetzt ging es auf den Weg zum Hexenwald. Zunächst stand erst einmal der Zillingbach auf dem Programm, ein schmales Bächlein, das all meine Balance erforderte und mich doch immer wieder seitlich in das hohe scharfkantige Schilf schickte. Natürlich konnte man nicht an der Schilfböschung gehen, da man von dort immer wieder in den Bach abgerutscht wäre. Die mehrere hundert Meter lange Strecke wurde kurz durch eine kleine Brücke unterbrochen und mit einer niedrigen Röhre abgeschlossen. Hier musste man gebückt hindurch und am Ende über ein Fanggitter klettern, das normalerweise wahrscheinlich die Aufgabe hatte, größeres Treibgut aufzuhalten. Nach dem Gitter drehte man eine Runde oben über die Brücke oberhalb der Röhre, um gleich danach wieder durch einen kleinen Tümpel zu waten. Man musste hier aufpassen, da im Wasser ein fieser Fels versteckt war, den man entweder mit Glück ertastete oder mit Pech mit dem Schienbein "entdeckte". Dann raus aus dem Tümpel - puh endlich das verdammte Wasser hinter sich gebracht. Fehlanzeige! Gleich nochmal rein an einem anderen Rand. Wenn man nicht weit genug am Ufer blieb, wurde es hier "ein bisschen" tiefer und man war bis zur Brust weg. Endlich, nach dieser letzten kleinen Tortur konnte man das Wasser verlassen und kam an einen VP. Ein VP!

Stellt Euch vor, Ihr seht aus wie die Sau, kommt an einen VP und da liegen diese leckeren, sauberen Bananenstückchen. Auch scheiß drauf, rein mit dem Zeug, egal wie die Hände und der Rest aussehen. Alternativ wurde man von den Helfern gefüttert :) Schnell ein Iso und einen Tee in mich reingekippt und weiter gings in Richtung Hexenwald. Auf einem schönen, gut zu laufenden Feldweg. Was für ein Segen. Eigentlich fühlte ich mich immer noch recht gut, hatte ich doch einen großen Teil der Strecke bis zum See schon hinter mir. Es kam nur noch der Hexenwald, dann ein bisschen Feld und Siedlung und....

Ok, aber erstmal Hexenwald. Auch dort: ein VP. Verwunderlich, da scheinbar nah. Man muss jedoch erst durch den Wald. Ich hatte den Hexenwald von letztem Jahr noch in guter Erinnerung. Wald, Trail, viele Bäume und Wurzeln, aber Alles in Allem kein Problem - dachte ich. Dieses Jahr sollte der Hexenwald der abgedrehteste Abschnitte des ganzen Laufes werden. Es war kein Weg zu sehen, nicht mal ein Trail. Stattdessen gab es eine Schlammbahn, die sich durch das Unterholz wand. Es war schlicht unmöglich, Tritt zu fassen. Grip? Fehlanzeige. Man war nur am ausgleichen und Koordinieren und von einer sinnvollen Laufpace meilenweit entfernt. Passte man nicht auf, dann rutschte man unkontrolliert ins Gestrüpp. Klammernd und ziehend, permanant angespannt rutschte und glitt man durch den Wald. Ich wusste noch, dass am Ende an einem Hang eine Rauf-Runter-Kombination wartete. Diese gab es diesmal auch, aber es war der Horror! Die gesamte Kraft war notwendig, um sich den Hang an einem Band hinauf zu ziehen, die Füße immer auf einen Vorsprung setzend oder an einem Baum einklemmend. Als ich das erste Mal oben war, war ich platt! Ich hoffte, dass sie uns diesmal nicht wieder runter in den Wald schickten, aber wieder Fehlanzeige. Abwärts ging es wieder an einem Band und man hatte praktisch kaum eine Chance, seine Bewegung zu kontrollieren, weil man mit den Füßen nirgendwo Halt fand. Ich kürze hier ab: Mann muss noch zweimal rauf und wieder runter, um anschließend noch einmal ein Stück durch den Wald zu "laufen". Dann war man wieder am "Eingang" und bei besagtem, scheinbar naheliegenden VP. Hier gab es leider nur einen Tee, aber man hatte ja "gerade erst" gegessen. Also ging es nun auf die letzten Meter zum Seegelände.

Als ich den Wald verließ dachte ich mir: "Ja ja, Hexenwald....Am Arsch!" Es ging ein paar Meter auf einen Feldweg über zwei Anhänger und dann gleich in die Siedlung Steinbrunn oberhalb des Sees. In der Siedlung kam mir Steven entgegen. Er war auf dem 1. Platz! Dort stand auch - gleich hinter einer Wall und einem ziemlich schwierigen Hangelhindernis (weil die Stangen so dick waren) ein Wärmezelt. Das erste Mal Hangeln lief super. Ich merkte bereits, dass ich mich sportlich betätigt hatte, obwohl gerade einmal 6-7km gelaufen waren. Macht nix. Ab ins Zelt, Longsleeve und Vereinsshirt runter und weiter zum See.

Das war mal eine neue Erfahrung - OOO, oder auch Oben-Ohne-OCR :) Zunächst ging es die Böschung zum See runter, dann wieder rauf, dann entlang, dann wieder ganz rauf und dann wieder runter. Jetzt kam der See - das Angsthindernis der meisten Läufer. Ich bin nicht schnell und auch nicht stark aber kalt kann ich. Also rein in den See und - entsprechend der Empfehlung des Volunteers nah am Ufer bleiben, sonst wirds schlagartig tiefer. Es war recht unspektakulär, so durchs hüfttiefe Wasser zu waten, aber deshalb durfte ich ja auch gleich danach kurz raus, um anschließend durch eine halb versenkte Plastikröhre zu krabbeln und anschließend mit tief abgebeugtem Oberkörper unter einem Netz hindurch zu huschen. Hatte man es bis hierher wie durch ein Wunder geschafft, den Oberkörper trocken zu halten, dann war jetzt Schluss mit lustig! Das Tauchhindernis erforderte, dass man dreimal unter den Balken eines Holzrahmens durchtauchte, der auf der Wasseroberfläche lag. Zu guter Letzt durfte man das hüfttiefe Wasser verlassen, um auf ein Holzgestell zu klettern und sich auf der anderen Seite entweder kräftezehrend noch einmal ins Wasser gleiten zu lassen oder dies durch einen beherzten Sprung zu erledigen. Ich dachte nicht lange nach, sondern nahm die Kopfsprung-Variante - Tauchgang Nr. 4.


So, mal gucken....
Blick nach innen!
1
2 (autsch, so war das nicht gedacht....)
3 (Jaaa! War ja ganz einfach!...?)
Es war schon echt frisch nach dem Bad, was jedoch sehr schnell wieder verflog. Gleich nachdem man die Wassertreppe verlassen hat, durfte man sich einen sackschweren Eimer voller ich-weiß-nicht-was nehmen und diesen eine Runde tragen. Keine Zeit zum Frieren. Dann noch schnell wieder ne rutschige Plane raufgeklettert, eine Slackline entlang gehangelt und man war wieder im Wärmezelt.

Nicht mehr weit bis zum Wärmezelt
Never forget to smile :)
Fantastisch! Warm! Hier bleib ich! Verdammt! Schnell das neue Langshirt genommen (letztes Jahr gelernt, dass komplett umziehen zu lange dauert...), drüber gezogen, noch nen warmen Tee und was zu Essen zu mir genommen und wieder los.

Jetzt ging es zurück nach Zillingtal. Der Weg dorthin war recht unspektakulär, dann es gab nicht so viel zu "erledigen", einzig ein Sandsack-Carry, der jedoch gut zu absolvieren war und bei dem ich einen echten mentalen Höhenflug hatte, weil ich mich wieder einigermaßen gut fühlte, wäre hier zu nennen, oder? Ach nein, da war noch was - Wasser! Und noch ein gefühlter Ewig-Crawl über einen Hügel, obwohl ich glaube, dass der gar nicht so lang war. Außerdem gab es auf dem Rückweg noch ein paar kleinere Holzgerüste und einen Graben, der in der ersten Runde auch noch Wasser führte.

Als ich mich dem Start-Ziel-Bereich näherte hörte ich den Start-Schuß der 15km-Läufer. Und als ich dann da war, kamen sie mir über die Hindernisse in dem Bereich entgegen. Das kostete mich auch immer mal wieder Zeit. Trotzdem konnte ich die erste Runde in ungefähr 3 Stunden und 15 Minuten absolvieren. Das war langsamer, als ich mir vorgenommen hatte (ursprünglich dachte ich, ich schaff den Celtic Warrior dieses Jahr in max. 6 Stunden), aber es war ok. Ich kam durchs Ziel, trank einen Tee, aß einen Happen und ging wieder auf die Strecke.

Ich habe zu dem Zeitpunkt keinen Gedanken an eine Aufgabe verschwendet, einfach weiter. Maschinenmodus. Blick nach innen richten. Geht noch alles? Jo, geht noch. Auf dem Kirchberg war ich diesmal allein. Keiner da. Ich konnte ein paar Worte mit dem Volunteer dort wechseln und scherzte, dass ich mich jetzt dran machte, das 15er-Feld von hinten aufzurollen. Jaja, ich und Feld von hinten aufrollen....aber so weit weg war ich gar nicht von der Wahrheit. Natürlich rollte ich kein Feld von hinten auf, aber es gelang mir trotzdem, einige der 15k-Läufer zu überholen. Jedoch stellte ich schnell fest, dass diese Runde nicht mehr so locker flockig vonstatten ging wie die erste und schon nach dem Start-Ziel-Bereich, der mit seinen vielen Kletter - und einem Hangelhindernis viel Energie kostete (Energie, die ich jetzt nicht mehr zu haben glaubte), zäh wurde.

Auf dem Weg zum "Plateau der Winde" traf ich Anett und Mirjam. Diese beiden Mädels - genau wie alle anderen Frauen, die an den Start gegangen sind - sind für mich die eigentlichen Helden des Celtic Warrior 2019. Und die Ultras natürlich. Wir wechselten ein paar Worte und ich lief weiter. Leider war ich nicht mehr schnell genug, um auch Florian noch einzuholen. Er war dieses Jahr auch wieder auf der 15k-Strecke gestartet und hatte aber einiges an Performance zugelegt. Ich musste immer mal gehen und das Vorankommen wurde schwerer und schwerer. Natürlich waren alle Hindernisse in dieser Runde auch schwieriger zu überwinden aufgrund der Müdigkeit und des massiven Schlamms auf der Strecke. Der Regen hatte ganze Arbeit geleistet. Ich quittierte diese Umstände mit maximaler Vorsicht. Um nicht das Gefühl zu haben, noch ewig unterwegs sein zu müssen, teilte ich mir die Strecke gedanklich in Abschnitte ein und hakte jeden, nachdem ich ihn passiert hatte, innerlich ab.

Meinen Tiefpunkt hatte ich erreicht, als ich erneut in den Hexenwald kam. Es war einfach apokalyptisch! Auf dem Gerüst an einem Baum, den wir überqueren mussten, bin ich diesmal abgerutscht und habe mir das Schienbein aufgeschlagen. Beim Runterklettern half mir ein Mädchen. Wir gingen eine Weile zusammen und wechselten ein paar Worte. Sie meinte, dass sie sich auf keinen Fall von der Strecke besiegen lasse. Oh ja, das war ein mentaler Kick! Mein Leitspruch für den Rest der noch nicht einmal zur Hälfte geschafften Runde.

Nachdem ich mir auf der ganzen Runde Gedanken gemacht hatte, wie ich den See diesmal absolvieren will, stand es für mich nach dem Hexenwald fest: genau wie die erste! Das Hangelhindernis habe ich jetzt gar nicht mehr probiert, sondern stattdessen gleich einen Eimer eine Strafrunde lang getragen. Der See war diesmal kalt. Das lag nun wohl daran, dass ich bereits massiv Energie verbraucht hatte und mein Körper nicht mehr allzu gut heizen konnte. Als ich nach der Seerunde wieder zum Wärmezelt kam und erneut ein trockenes Langshirt anzog, half dies nur noch bedingt. Ich blieb eine Weile, bekam eine Gulaschsuppe mit Kartoffelstückchen drin und ein paar Salzbrezeln. Das gab mir nochmal das notwendige Salz und einen Kick.

Seerunde Nr. 2: Scheiß auf die Welt...
War das schon alles?
Nun kamen auch Anett und Mirjam am Wärmezelt an. Sie hatten die Seerunde noch vor sich und fragten, ob sie es bis zum Zielschluss noch zum Ziel schafften. Ich schätzte, es musste so zwischen 15 und 16 Uhr gewesen sein, also bejate ich. Einen genauen Überblick hatte ich nicht, da ich gerade noch mit trinken und frieren beschäftigt war. Dann machte ich mich wieder auf den Weg zurück zum Zielbereich. Immer wenn ich mit jemandem ein kurzes Stück der Strecke teilte, wechselten wir ein paar Worte, motivierten uns gegenseitig und dann trennten sich unsere Wege wieder.

Schließlich kam ich wieder im Start-Ziel-Bereich an. Hier stellte ich fest, dass die großen Holzwände bereits gesperrt waren, da es zu gefährlich geworden wäre, noch darüber zu klettern. nur die erste Wand, die praktisch den "Eingang" zum Start-Ziel-Bereich markierte, musste man machen. Hier half mir die nette Volunteerin, mit der ich mich zu Beginn der zweiten Runde auf dem Kirchberg unterhalten hatte. Als ich mich ein letztes Mal über die Baugerüste quälte, stand plötzlich Steven neben der Strecke. Wir unterhielten uns, während ich die Hindernisse überquerte und er machte ein Handy-Video.

Zum Schluss - und das war ein seltsam unspektakulärer Moment - überquerte ich die Ziellinie und war heilfroh, dass ich kein drittes Mal raus musste. Ich bekam die Medaille, wegen der ich das eigentlich alles gemacht hatte (glaubte ich) und trank einen Tee oder zwei. Ich traf nochmal einen Läufer, den ich auf dem zweiten Rückweg auf der Strecke getroffen hatte, er bedankte sich für die kurze gemeinsame Zeit und die Motivation. Ich bedankte mich, dass er mir beim Zelt am See über die Wall geholfen hatte.

In der Umkleide traf ich Christian. Er hatte den Ultra durchgezogen. Man konnte sehen, dass er in einem desolaten Zustand war und versuchte, wieder die Kontrolle über seinen Körper zu erlangen. Ein Held! Ich verpackte meine ganzen Laufklamotten in Plastiktüten und ging ins Duschzelt. Es gab eine warme Dusche und ich schwöre sie war der Eingang zum Himmel. Das war die beste warme Dusche, die ich je genommen habe.

Den krönenden Abschluss bildete, genau wie im letzten Jahr, die Party und die Siegerehrung. Ich verbrachte noch ein paar Minuten mit den Kameraden des OCR Munich und aß ein Schnitzel mit Pommes. Zusätzlich zu allen bereits genannten Munich-OCRlern war auch noch eine Gruppe auf der 8k-Distanz gestartet. Hierzu zählten Stefan (Äffchen, Moni und John). Stefan war angetreten, um sich für die OCRWC zu qualifizieren und hatte das auch geschafft. Steven hat am Ende den 2. Platz auf den 30km geschafft und auch Sven hatte mit seinem 5. Platz auf dieser Distanz seine Quali in der Tasche. Das Gleiche gilt für Jana mit ihrem 6. Platz auf den 15k.

Wirklich wichtig bei diesem Lauf war aber etwas anderes: Alle waren ohne Probleme gesund im Ziel angekommen. Das muss hier wirklich gesondert erwähnt werden, denn der Celtic Warrior 2019 war, was ich einen extremen Hindernislauf nennen würde. Später dann machten Steven, Alex und ich uns wieder auf dem Heimweg. Ich dachte, das wird mein letzter Celtic gewesen sein, aber mittlerweile sehe ich das ganz anders. :)

Verdient!

Sonntag, 13. Januar 2019

No Egos!


Das OCR-Jahr begann bereits am 12.01.2019 mit einem Event der Sonderklasse - einer Hurricane Heat. Das ganze fand zum ersten Mal im Winter in Kaprun/Österreich statt. Ein paar Gedanken dazu habe ich wieder auf der Seite des OCR Munich geäußert: http://ocr-munich.de/hurricane-heat-kaprun-lava-snow-and-low-flying-ducks/.

Samstag, 8. Dezember 2018

Auf die Fresse, Getting Tough!



Ob man es glaubt oder nicht, es ist immer wieder ein Kampf - Getting Tough The Race in Rudolstadt. Es ist auch schwierig zu beschreiben, was in einem vorgeht, wenn man so einen Lauf macht. Auf jeden Fall ist es immer wieder ein Erlebnis. Der Bericht zu meiner 4. Teilnahme ist auch wieder auf der Webseite des OCR Munich zu finden: http://ocr-munich.de/getting-tough-the-race-2018/

Sonntag, 4. November 2018

Legends never die!


Im November war auch dieses Jahr wieder der "Legend of Cross". Mein Bericht hierfür ist auf der Homepage des OCR Munich zu finden: http://ocr-munich.de/legend-of-cross-2018/

Samstag, 29. September 2018

Der strategische Vikinger



Death will take those who fight alone
But united we can break a fate once set in stone

Malukah, Reignite

Am Samstag, dem 15.09. war es soweit. In Wächtersbach fand der Iron Viking statt. Bei diesem OCR-Lauf handelt es sich weniger um einen Wettkampf als um eine Herausforderung für sich selbst - zumindest ist das meine Sichtweise darauf. Die Daten sind beeindruckend, um nicht zu sagen: sie schrecken sicher den einen oder anderen ab. Es geht darum, ungefähr 42km mit mehr als 100 Hindernissen in der Zeit von 7,5h zu bewältigen. Ein ganz schönes Brett.

Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr genau sagen, weshalb ich mich dafür angemeldet habe - da schwang einiges mit. Zunächst wollte ich auf jeden Fall die Medaille haben. Das kam daher, dass ich bei einigen Vereinsmitgliedern im OCR Munich gesehen hatte, dass sie sich diese erkämpft hatten. Und sie sieht wirklich gut aus. Zum anderen wollte ich mich auch Iron Viking Finisher nennen können - das ist eindeutig so ein Ego-Ding. Am wichtigsten war jedoch etwas anderes: die Frage, ob ich einen solch langen Lauf mit Hindernissen durchstehen kann. Nachdem ich mich angemeldet hatte, habe ich mir immer und immer wieder die Webseite des Laufes angeschaut und war auch immer wieder aufgeregt und unsicher, ob ich ihn schaffe. Das war so wie Weihnachten. Dann stellt man sich vor, die Medaille um den Hals zu haben und schon fängt man an, unruhig auf dem Stuhl hin und her zu rutschen... Das letzte Mal, dass ich so etwas erlebt hatt, war als ich mich zu meinem ersten Getting Tough The Race angemeldet und anschließend realisiert hab, was grad passiert war.

Der Iron Viking findet im Rahmen des Strong Viking statt. Bei diesen Läufen gibt es sowohl einige sehr technische als auch relativ leichte Hindernisse. Sie sind recht gleichmäßig über die Strecke verteilt. Außerdem liegen die Penalties für ein Nicht-Schaffen lediglich bei 10 Burpees. Mit diesem Konzept unterscheidet sich der Strong Viking stark vom Getting Tough The Race, bei dem es zunächst eine längere Laufstrecke zu bewältigen gilt und der am Ende mit einem Feuerwerk von Hindernissen aufwartet. Aber auch von Spartan Races (von denen ich noch keins gemacht habe), bei denen die Penalties deutlich höher sind. Diese Varianz in den einzelnen Veranstaltungen sorgt dafür, dass es beim OCR nie langweilig wird.

Ich habe versucht, an den Iron Viking strategisch heranzugehen, da ich noch nie eine so lange Distanz mit gleichverteilten Hindernissen bewältigt habe. Folgende Punkte galt es zu beachten:
  1. Distanz: Es galt einen Marathon zu laufen. Und da bei OCR-Läufen meistens ein kleines "+" hinter den Distanzangaben zu finden ist, hieß das sogar "mindestens einen Marathon". Das sollte sich am Ende als wahr herausstellen. Also begann ich über einen Zeitraum von 3,5 Monaten, meine Laufdistanz wieder auf ein höheres Niveau zu bringen. In diesen 3,5 Monaten hatte ich 8 längere Läufe, in einem Bereich von mindestens 20km bis maximal 38km. Dazu kamen natürlich noch viele kürzere Trainingsläufe.
  2. Höhenmeter: Leider war mir das Höhenprofil des Iron Viking vorab nicht bekannt. Deswegen musste die Strategie hierfür eindeutig Höhenmeter-Training sein. Dafür habe ich sowohl einen Berglauf im schönen Pitztal genutzt, der mir einiges abverlangt hatte, als auch ein paar Höhenmeter-intensive Läufe und eine Wanderung im Urlaub auf der Insel Pico. Im Endeffekt war das nicht viel, aber es reichte. Hätte der Iron Viking mehr Höhenmeter parat gehabt, wäre das wahrscheinlich zu wenig gewesen.
  3. Kälte. Ich bin zwar gut in der Lage, Kälte auszuhalten. Das heißt jedoch nicht, dass ich nicht friere. Und wenn ich friere, werde ich aufgrund längerer Pausen zum Aufwärmen und Nahrung aufnehmen langsam. Aber durch den Termin im September war diese Gefahr nicht gegeben. Es sollte sich sogar herausstellen, dass die Wetterbedingungen dieses Jahr besonders gut sein sollten.
  4. Kraftausdauer und Hindernistechnik: Auch diese galt es durch Training zu addressieren. Leider sind meine Schultern (speziell die Rotatorenmanschetten) seit geraumer Zeit überlastet, was mich hier zu einem äußerst konservativen Ansatz zwang. Ich habe mich entschieden, nicht unser Vereinstraining zu nutzen, obwohl das sehr gut ist. Jedoch ist es schwierig in einer Trainingsgruppe die Intensität zu drosseln - geht mir jedenfalls so - da es dort immer eine gewisse Dynamik gibt und man sich auch nicht als Langsam-Trainierer die Blöße geben will. Aber ich habe es vermisst. Stattdessen habe ich mir ein paar Übungen selbst zusammengestellt (mittlerweile kenne ich ein paar und weiß auch wie sie wirken) und habe daraus dann ein moderates Kraftausdauer-Training für mich gebastelt, das ich in den letzten 5 Wochen vor dem Wettkampf relativ regelmäßig durchgeführt habe.
  5. Energiezufuhr während des Laufes: Über diesen Punkt hab ich lange nachgedacht und die Lösung hierfür fand sich erst ca. 2 Wochen vor der Challenge in Form eines Kommentares in einem Facebook-Thread genau zum Thema Iron Viking. Schließlich habe ich das wie folgt gelöst: Ich habe auf einem Tisch ein paar Gels deponiert und in eine extra für den Viking gekaufte neue Hose 3 weitere gesteckt. Da man mehrmals durchs Ziel kommt, konnte man die Gels, die man unterwegs genutzt hatte, wieder auffüllen. Unterwegs gab es genügend VPs, sodaß keine Energieknappheit zu befürchten war. Das hat perfekt funktioniert.
Und dann war er da - der Race Day (AAAAH, Its RACE DAY!!!). Ich fühlte mich gut. Am Vorabend gabs beim Italiener im Nachbarort Pasta zum Abendbrot und Pizza zum Nachtisch. Karboloading vom Feinsten. Ich hatte mich mit Kai aus dem Verein verabredet, um Ihm seine Vereinsshirts zu überbringen. Beim Bag Drop gab ich Ihm die Shirts. Da trafen wir Stefan, den wir beide noch nicht kannten. Er sah, dass ich ein bisschen ziellos durch die Landschaft steuerte und half gleich aus mit Infos über den Tisch für die Gels und wo so die wichtigsten Stellen auf dem Gelände waren. Wir kamen ins Gespräch und währenddessen überein, dass wir zusammen laufen könnten, denn er hatte sich auch für den Iron angemeldet. Es stellte sich heraus, dass er dieses Jahr bereits seinen zweiten Iron Viking lief und insgesamt bereits 19 Strong Viking Läufe hinter sich gebracht hatte. Ein echter Veteran also und für mich ein wahrer Glücksfall, ihn getroffen zu haben. Kai lief die OCR Series und war plötzlich verschwunden - die Series-Starter scheinen überall etwas schneller zu sein.

Ich blieb an Stefan dran. Wir schauten uns die letzten Hindernisse der Beast-Runde an, die unsere erste war. Das waren die schwersten Hindernisse. Der Dragon Tail flößte mir keinen Respekt ein und auch das Wheel of Steel glaubte ich, schaffen zu können. Aber das Low Rig und das Moving Pegboard betrachtete ich sehr ehrfürchtig. Mein Gefühl sollte mich nicht täuschen. Das Gelände war an einem kleinen See gelegen, der natürlich auch noch in den Lauf mit eingebaut wurde. Allerdings war noch nicht klar, was auf der anderen Seite auf uns wartete.

Nachdem die Series-Läufer auf die Strecke geschickt waren, wärmten wir uns kurz auf und begaben uns dann in den Startbereich. Der Ansager, Motivator - oder wie auch immer - (sein Name war Robert) heizte uns gut ein und nahm uns zunächst das Versprechen ab, ihm für jedes nicht geschaffte Hindernis 10 Bucks zu zahlen (und 20 für jedes nicht versuchte) und anschließend den Schwur, den Iron Viking stets zu ehren. Dann kam der weiße Nebel. Stefan stand eben noch neben mir und plötzlich war er weg, genau wie meine Hand vor Augen. Beide kehrten jedoch nach kurzer Zeit zurück. Dann fiel der Startschuß und wir wurden über die 3m hohe Startwand auf die Strecke geschickt.

Es war phantastisch. Das Wetter perfekt: Sonne, knapp 20 Grad Celsius. An den Vortagen war es trocken und deshalb waren auch die Trails perfekt. Es staubte den ganzen Lauf über. Einzig der Mud Crawl wurde an den Stellen, wo die meisten Läufer entlang robbten oder rollten etwas feuchter. Ansonsten blieb der Mud in den dafür vorgesehenen Mud Trenches und der Rest der Strecke war wunderbar trocken. Das war auch gut so, denn teilweise ging es quer durch den Wald, was lauftechnisch sehr anspruchsvoll war. Nässe und Matsch - wie im Vorjahr - hätten das Vorankommen mit Sicherheit stark erschwert.

Stefan und ich waren gut unterwegs. Zunächst rechneten wir uns aus, die Distanz in 6 Stunden zu schaffen. Natürlich auf Basis unseres Anfangspace. Allerdings war mir klar, dass ich dieses Tempo nicht komplett durchhalten konnte. Zum Glück war Stefan zum einen ein besserer Läufer als ich (er war auch 11 Jahre jünger) und zum anderen ein super Pacemaker. Wir waren uns einig, dass es nicht darum ging, als erste ins Ziel zu kommen, sondern den Lauf erfolgreich innerhalb der Cut off Zeit zu finishen.

So trabten wir den Beast-Hindernissen entgegen. Auf dem Weg dorthin war im Prinzip alles für mich mit meiner beschränkten Kraftausdauer machbar. Am besten war der Flying Ragnar, ein Hindernis, bei dem man von einer Plattform aus an einem langen Pendel schwingen musste und ein Glocke berühren. Danach flog man 2-3 Meter tief ins Wasser. Der Hammer! Aber dann ging es los. Bei den Atlas Stones haben wir uns geholfen. Der Weaver 2.0 war hart aber ich hab ihn geschafft. Gunnors Rope (Hangeln an Hosenbeinen) - no chance! Gunnors Struggle (mit Querlatte auf Holzgerüst vorwärts hüpfen): Check! Strong wall: Check! Moving Pegboards: mehr als ich erwartet hätte - ich glaube, die ersten 4-5 hab ich geschafft, aber insgesamt: No chance! Und jedes mal 10 Burpees. Stefan hat echten Teamgeist gezeigt und immer Burpees geteilt. Unglaublich! Wir waren echt froh, als wir nach ungefähr 3 Stunden und 11 Minuten die 22km lange Beast-Runde hinter uns gebracht hatten und die Walhalla-Steps das erste Mal überquerten.


Wir machten eine kurze Pause am Tisch. Ich hatte die ganze Runde nur von den VPs gelebt und schmiss mir jetzt 2 Gels auf einmal ein. Gute Entscheidung. Leider hatte ich kein Getränk gebunkert! Schlechte Entscheidung! Allerdings standen nach ein paar Metern zwei Buben mit einem "inoffiziellen" Wasserstand an der Strecke - da konnte ich die Gels runterspülen. Glück muss man haben. Die Monkey Snakes, die bereits auf der Lightning Runde und somit für uns 3mal zu erledigen waren, hatten es diesmal schon in sich. Aber ich habe sie auch beim zweiten Mal geschafft.

Das besondere an der zweiten Runde war, dass auch alle anderen Läufer der kürzeren Distanzen unterwegs waren. Somit ganz schöner Verkehr. Aber immer wenn wir auf eine Gruppe aufliefen, sagte Stefan "Achtung, Grün von hinten!" und wir wurden vorbei gelassen. Auch an den Hindernissen gabs es für uns keine Wartezeit. Ein Grund, nur den Iron zu laufen :) Kurz bevor wir die Lightning-Runde das zweite Mal beendeten, gabelten wir Michael von den Mudbusters bei den Water Hurdles auf. Auch hier kamen wir gleich ins Gespräch und so blieben wir für den Rest des Laufes zusammen. Meine Beine waren am Ende. Auch Michael war "angeschlagen". Einzig Stefan zeigte keine Ermüdungserscheinungen, und das, obwohl er eine Woche zuvor in Oberndorf beim Trifekta-Wochenende am Start war. Naja, junger Hupfer....

So pushten wir uns gegenseitig durch den Rest der Warrior Distanz (Runde 2). Michael und ich gingen immer mal und Stefan zog! Die Hindernisse alle bekannt. Wheels of Steel habe ich diesmal leider nicht geschafft. Ivar's Walk sucks - besonders mit schwachen und zu Krämpfen neigenden Beinen. Aber auch geschafft, genau wie alle anderen Hindernisse auch. Apropros Krämpfe: Die drohten unterwegs auch, aber aus Gründen, die ich nicht genau kenne, kamen sie nie komplett zum Zuge. Wahrscheinlich weil das Training gut genug war. Wir hatten jetzt ca. 38km auf der Uhr und überquerten die Walhalla Steps das zweite Mal.

Dann Routine: Am Tisch zwei Gels einwerfen, ärgern, dass ich kein Wasser gebunkert hatte und weiter. Dragon Ropes das dritte Mal rauf! Die Buben ein paar Meter weiter standen immer noch am Weg. Ich nahm auch diese Runde wieder etwas zu Trinken und Bedankte mich. Die beiden hatte wirklich der Himmel (Walhalla?) gesandt. Danach ging es wieder auf die Balance Bars. Die schaffte ich auch bei diesem Durchgang, was mich extrem euphorisch stimmte. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass die Kraft - speziell in die Beine - langsam wieder zurück kam. Dass ich den Dark Place ausgerechnet bei einem OCR das erste Mal durchschreite, hätte ich nie gedacht. Trotzdem - die Monkey Snakes gingen diesmal nicht mehr komplett.

Langsam aber sicher schlossen hinter uns zwei Mädels auf und es dauerte nicht lange, da liefen sie an uns vorbei. Als sie schon ein Stück entfernt waren, begann Stefan, hinter ihnen her zu spurten und fragte sie, ob sie beim Brother Log Carry auf uns warteten. Zu fünft einen sackschweren Baumstamm schleppen ist besser als zu dritt. Als wir dort ankamen, waren wir schließlich zu siebt. True Viking Brothers and Sisters!! Die Runde mit dem Baumstamm war so schnell erledigt, wie bei ersten Mal. Einer setzte sich jedoch danach wieder ab. Wie sich im Laufe der letzten Runde herausstellen sollte, war eine der beiden Vikingerinnen Anette, die auch Mitglied bei OCR Munich war. Sonst lasen wir uns immer nur im Whatsapp Chat... Beim Viking Battle teilten wir das letzte Mal ein paar Burpees. Michael wollte uns ziehen lassen, aber wir ließen ihn nicht stehen. Er musste mit! Schließlich gelangten wir das letzte Mal beim Storm the Castle an. Diesmal ging ich vor und rannte gleich aus vollem Lauf hinauf. Die reine Euphorie, denn danach kam der Flying Ragnar zum dritten Mal und die Water Hurdles. Die nahm ich diesmal schwimmend. Als wir das letzte Mal den Brother Hill erklommen und anschließend Richtung finalem Zieleinlauf abbogen, waren wir wie beflügelt. Meine Beine taten nicht mehr weh. Ich glaube, ich hätte weiter laufen können. Aber vielleicht war das auch Selbstbetrug.

Wir halfen uns das letzte Mal die Walhalla Steps hoch und standen plötzlich oben! Im Ziel! Nach 6 Stunden und 51 Minuten. Ich habe nicht mal vergessen, meine Streckenaufzeichnung zu stoppen. Es war unglaublich! Ich konnte nicht fassen, dass ich 45 Kilometer gelaufen war - im Prinzip mein erster Ultra - und dabei mehr als 100 Hindernisse veruscht und allergrößtenteils überwunden hatte. Der Lohn für 3,5 Monate intensives Training. Als wir durch den Zielbereich gingen, bekamen wir ein Bier. Automatisch wurden wir zum Medal Point gelaitet (an dieser Stelle muss ich einwerfen, dass die Streckenlogistik einfach nur genial war) und bekamen unsere verdiente Medaille. Im nächsten Zelt gab es das T-Shirt und im übernächsten Zelt ließen wir von unserer finalen 6er Gruppe ein schönes Finisher-Foto machen. Wir quatschten noch ein bisschen während wir unser Bier austranken und dann löste sich unsere Bruderschaft auf Zeit auch leider schon wieder auf.

Geblieben sind die Erinnerung an ein geniales Event, die Vorfreude auf die Läufe, bei denen man dann bekannte Gesichter wiedererkennen und vielleicht wieder ein paar Meter des Weges miteinander teilen kann und die Gewissheit, dass demnächst meine Jagd nach den Strong Viking Medaillen beginnen wird.